Freie Dorfschule Lübeck
achtsam miteinander Lernen- verantwortlich Handeln

Soziokratie

Die Freie Dorfschule Lübeck ist eine Schule, in der Soziokratie die Grundlage ist.

Die Soziokratie ist ein junges Organisationsmodell der Demokratie, dass vielleicht erstmals 1881 durch den Soziologen Lester Frank Ward - vielleicht auch erst deutlich 1945 durch den Reformpädagogen Kees Boeke formuliert wurde.

Traditionelle Demokratie entstand bei den alten Griechen, lange vor der Zeitenwende. Sie funktionierte damals als eine  Regierungsform, bei der nur eine gewählte Volksvertretung die politische Macht ausübte.

Auch heute, mehr als 2000 Jahre später, ist traditionelle Demokratie ein Prozess, in dem Mehrheiten als Gewinner hervorgehen und  Minderheiten als Verlierer übrig bleiben - auch wenn es Viele sind.

Die Freie Dorfschule Lübeck verzichtet auf das Belohnen und Bestrafen - genau wie auf das Gewinnen und Verlieren. Wir haben uns deswegen für die Soziokratie als neue Form der Demokratie entschieden.

In der Soziokratie werden alle Menschen in gleicher Weise in den Entscheidungsprozesse einbezogen. Wir wollen in unserer Schule auch die Stillen, Langsamen, Bedächtigen und Einsamen hören. Wir wollen weniger die Gruppenzwänge unterstützen.

Das Entscheidungsmittel in der Soziokratie ist der Konsent. Konsent (man beachte das t) unterscheidet sich vom Konsens (man beachte das s), der im Mittelalter von den Mönchen in den Klöstern praktiziert wurde. Mönche berieten so lange (sie hatten ja viel Zeit...), bis alle zu einer Entscheidung "Ja" sagen konnten.

Konsent allerdings ist ein Entscheidungsprozess, in dem schnell Lösungen gefunden werden. Grundsatz im Konsent ist: Eine Entscheidung wird nur dann getroffen, wenn triftig begründete Einwände (Veto = Nein) fehlen, ausbleiben oder in die Entscheidung integriert wurden.

Diese Struktur und Arbeitsweise des Konsent hat Vorteile:

• jeder Einzelne ist in die Entscheidung eingebunden und vertritt sich Selbst .

• Führungspersonen (Vorstand, Schulleitung) haben jeweils auch nur eine Stimme, die eigene. Jeder ist somit gleichermaßen beteiligt, die Interessen Aller zu vertreten (anstatt Alleingänge zu machen),

• alle Mitglieder müssen die Argumente der Führungspersonen verstehen und berücksichtigen um zu einer Entscheidung zu kommen (anstatt dass gewählte Führungspersonen per Abstimmung zu rechtswidrigen Handlungen verpflichtet werden könnten).

• Es ist möglich, relativ schnell zu Entscheidungen zu kommen, da willkürliche Einwände unberücksichtigt bleiben können (...das finde ich doof, darauf habe ich keine Lust...)

 

Unser Weg in der Freien Dorfschule Lübeck mit der Soziokratie:

Die praktische Umsetzung der Soziokratie in unserer Schule begann damit, dass im Herbst 2015, mit der Eröffnung der Schule, alle Regeln für den Alltag fehlten. (Upps!) Zwar gab es das eingereichte Konzept, in dem der Ablauf des Schultages festgeschrieben war und wir waren uns als Erwachsene einig, dass wir respektvoll miteinander umgehen wollen. Jedoch verzichtete das Konzept auf Alltagsregeln, die wir hätten „durchdrücken“ können. Folglich war herumschreien, beleidigen, verhauen anderer Kinder usw. zunächst erlaubt.

Im Rückblick ist zu sagen: Diese ersten Wochen waren eine durchaus schwere Zeit, bis in den wöchentlichen Regelversammlungen grundlegende Regeln für das Zusammenleben in der Schule beschlossen worden waren.

Heute ruhen wir uns in weiten Teilen auf gelungener Arbeit aus.

Es besteht ein sicheres Fundament an Wohlverhalten in unserer Schule. Damit ist jede Schülerin, jeder Schüler und jeder Erwachsene einverstanden. Respektlosigkeit unter den Schülerinnen und Schülern konnte in sehr tiefgreifender Weise durch den Konsent beendet werden.

Wichtig für alle später hinzu Kommenden ist die Würdigung dieser Vorarbeit.

Wir haben deswegen die Bitte anzuerkennen: Einige der Schüler und Lernbegleiter waren bei allen Regelversammlungen dabei. Viele Erwachsenen waren oft dabei. Dieses Fundament  des Wohlverhaltens ist vor allem durch eine kontinuierliche, teilweise mühevolle Arbeit vor allem der Schüler entstanden. Wenn  Schüler auf Regeln deutlich (hoffentlich freundlich) hinweisen, so hat das damit zu tun, wie wichtig Schülern diese Regeln sind!

Die aktuellen Regeln (weniger als 40!) sind im "Blauen Ordner" im Mittelraum  zu lesen. 

Unsere Regeln sind allerdings in einem ständigen Prozess, da sie nur so lange gültig sind, als sie funktionieren. Regelverletzungen erfordern, dass Regeln neu beschlossen werden. Also haben auch Neue fortlaufend die Möglichkeit, sich gestaltend an den Regeln unserer Schule zu beteiligen.

Das ist die Grundlage dafür, dass wir mit Allen - Neuen und Alten, Jungen und Alten - fortlaufend auf Augenhöhe miteinander arbeiten!

 

Regelversammlung

Die Regelversammlungen finden gewöhnlich mittwochs in der Zeit von 12.00 bis 12.30 Uhr statt. Außerordentliche Regelversammlungen außerdem, wenn sechs Menschen dies wünschen.

Die Regelversammlung ist laut Satzung des Schulvereines Helauria e.V. gemäß § 62 -87 SchG das oberste Gremium der Freien Dorfschule Lübeck.

 

Es gibt für den Ablauf der Regelversammlung Karten, die der Kartenleser des Tages vorliest.

Grundlegend zur Regelversammlung gilt:

Die Regelversammlung ist ab Karte 2 freiwillig. Es darf jedoch nur derjenige an der Ja – Nein – Runde mitentscheiden, der an der Regelversammlung vollständig teilgenommen hat. Wer in den Zimmern während der Regelversammlung laut ist und stört, muss zur Regelversammlung zurückkommen (darf jedoch an der Ja-Nein-Runde nicht mitentscheiden).

Dies ist der Inhalt der Karten:

Karte 1: Darstellung des Problems. Jeder der will, meldet sich und wird vom „Drannehmer“ eingeladen zu reden.

Karte 2: Es werden Lösungsvorschläge vorgetragen. Es geht im Kreis herum. Jeder kommt nur einmal dran. Der „Drannehmer“ bestimmt den ersten Redner. Jeder darf aussprechen. Wer fertig ist mit Reden, gibt im Kreis weiter.

Karte 3: Zweite Lösungsrunde. Wer noch einen Lösungsvorschlag hat, meldet sich. Es wird vom „Drannehmer“ eine Reihenfolge festgelegt.

Karte 4: Dritte und weitere Lösungsrunden: Wer noch einen Lösungsvorschlag hat, meldet sich. Es wird vom „Drannehmer“ eine Reihenfolge festgelegt.

Karte 5: Zusammenfassung der Lösungen. Es meldet sich, wer zusammenfassen will. Einer wird vom „Drannehmer“ eingeladen zu reden. Wer zu ergänzen hat meldet sich auch und wird drangenommen.

Karte 6: Ja – Nein – Runde. Jeder hat nur eine Stimme. Wenn alle Ja sagen, gilt die Regel.

Karte 7: Wer Nein gesagt hat, trägt seine triftigen Gründe vor. Triftige Gründe sind z.B. gesundheitliche Beschwerden, Schmerzen, Angst usw. Die Entscheidung wird vertagt, wenn triftige Gründe begründet vorgetragen wurden. Dann schlafen alle über das Problem.

Karte 8: Wenn Zweifel an triftigen Gründen bestehen, wird darüber in der Runde kurz sachlich gesprochen. Banale Gründe oder Missverständnisse werden auch kurz besprochen. Die neue Regel gilt dann jedoch trotzdem.

Karte 9: Wer triftige Gründe vorgetragen hat, muss für die nächste Regelversammlung einen Lösungsvorschlag formulieren.

Die Regelversammlung wird im Regelversammlungsbuch dokumentiert und die neue Regel wird in der Mittagsrunde bekannt gegeben und in unserem sozialen Netzwerk der Schule veröffentlicht.

Jeder in der Schulgemenischaft (Eltern, Lernbegleiter, Schüler) hat eine Woche Zeit, einen triftig begründeten Einspruch vorzutragen, der einen Neubeschluss einer Regel notwendig macht.

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